Jenseits der Schubladen - Phänomenübergreifende Extremismusprävention in der Praxis
Programm
- 9:30 Uhr: Ankommen und Anmeldung
- 10:00 Uhr: Begrüßung durch Stadträtin Gerda Weigel-Greilich
- 10:15 - 12:00 Uhr: Fachvortrag "'Brückennarrative' in der Präventionsarbeit" Jochen Müller, ufuq
- 12:00 - 13:00 Uhr: Pause in Selbstorganisation
- 13:00 - 16:00 Uhr: Workshops
- 16:00 - 16:30 Uhr: Abschlussrunde
Fachvortrag
“BRÜCKENNARRATIVE” IN DER PRÄVENTIONSARBEIT
Rechtsextremismus, Islamismus oder Antisemitismus sind Formen extremistischen Denkens und Handelns, die uns in Zeiten gesellschaftlicher und globaler Krisen zunehmend beschäftigen – natürlich auch in Schule und Jugendarbeit. Junge Menschen greifen
„extreme“ Positionen auf, die ihnen zum Beispiel in den Sozialen Medien begegnen, sodass Pädagoginnen und Pädagogen häufig vor der Frage stehen, ob es sich dabei eher um Protest, noch um Provokation oder schon um Propaganda handelt. Darin liegt aber auch eine Chance: Wo, wenn nicht in der Schule und der Jugendarbeit, kommen so viele unterschiedliche Biografien, Lebenswelten und Perspektiven zusammen und wo sonst können Jugendliche so sensibilisiert und gestärkt werden, dass ihnen unterschiedliche extremistische Angebote gar nicht erst attraktiv erscheinen? Im Vortrag wird es zunächst um so genannte Brückennarrative und
phänomenübergreifende Elemente und Aspekte verschiedener Erscheinungsformen von Extremismus gehen. Anschließend stehen die Motive und Bedürfnisse von meist vulnerablen Jugendlichen im Mittelpunkt, die oft hinter individuellen Prozessen der Hinwendung zu den Angeboten extremistischer Positionen und Strömungen stehen. Daraus lassen sich Überlegungen und Vorschläge ableiten, welche „funktionalen Äqivalente“ in pädagogischer Arbeit, politischer Bildung und Extremismusprävention angeboten werden könnten, die solchen Prozessen vorbeugen und sie verhindern. Denn: Wenn wir - in Schule, Gesellschaft, Politik und Medien – keine Antworten auf die Fragen und Bedarfe junger Menschen haben, kommen eben andere und geben ihre Antworten.
Referent: Jochen Müller, Mitgründer und langjähriger Co-Geschäftsführer von ufuq.
Workshop 1: ISRAELBEZOGENER ANTISEMITISMUS
Trotz des 7. Oktobers 2023, dem größten antisemitischen Massaker nach der Shoah, haben antisemitische Ressentiments insbesondere in Schule und Hochschule sowie auf der Straße und in den sozialen Medien stark zugenommen. Vielen Menschen fällt es schwer, die Grenze zwischen legitimer Kritik an israelischem Regierungshandeln und antisemitischen Ressentiments zu erkennen. Es erscheint häufig schwierig und überfordernd zu sein, sich in der vielschichtigen Thematik des Nahostkonfliktes zu orientieren und berechtigte Kritik von antisemitischen Vorurteilen und „Fake News“ zu unterscheiden. Der Workshop unternimmt den Versuch, die Funktionsweisen des (israelbezogenen) Antisemitismus darzustellen. Begrifflichkeiten werden erklärt, Möglichkeiten der Differenzierung aufgezeigt und schließlich sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeladen, anhand von Beispielen aus den verschiedenen extremistischen Phänomenbereichen die eigene Analysefähigkeit zu üben und zu stärken.
Referentin: Anika Schleinzer, Phänomenbereichsübergreifende wissenschaftliche Analysestelle Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit (PAAF), Landesamt für Verfassungsschutz Hessen
Workshop 2: DOKUMENTATION VON ANTIZIGANISMUS: EINBLICKE IN DIE PRAXIS
Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus Hessen (MIA Hessen) stellt sich und den Jahresbericht 2024 vor. Im Mittelpunkt stehen neben dem Schwerpunkt "Antiziganismus und Bildung" dabei Kategorien der Falldokumentation und -Analyse sowie
unterschiedliche Erscheinungsformen und Vorfallarten von Antiziganismus. Der Workshop gibt Einblick in die systematische Aufnahme und Auswertung antiziganistischer Vorfälle und zeigt, wie Diskriminierung dokumentiert und sichtbar gemacht werden kann. Anhand ausgewählter Beispiele aus dem Jahresbericht arbeiten die Teilnehmenden gemeinsam an konkreten Fällen und diskutieren Herausforderungen sowie Möglichkeiten der Analyse.
Referierende: Mitarbeitende der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA)
Workshop 3: DIE EXTREME RECHTE ZWISCHEN KLIMAWANDELLEUGNUNG UND KLIMANATIONALISMUS
Extrem rechte Akteur*innen bestreiten entweder den anthropogen verursachten Klimawandel oder sie sehen die Ursache für die
Klimakatastrophe im Bevölkerungswachstum des globalen Südens. Je nach Adressat*innen bedienen sich diese Akteur*innen
unterschiedlicher Strategien. Hierzu zählt die Diffamierung von Aktivist*innen ebenso wie die (antisemitische) Verschwörungserzählung einer im Verborgenen operierenden (jüdischen) Elite. Gleichzeitig bemühen sich die antidemokratischen Kräfte mit Argumenten des Natur- und Artenschutzes um Windkraftgegner*innen. Der Workshop stellt extrem rechte Akteur*innen und deren Positionen im Themenfeld Klima- und Energiepolitik vor. Auf dieser Basis werden verschiedene Handlungsstrategien entwickelt, um Akteur*innen der Bildungsarbeit, insbesondere pädagogische Fachkräfte, in diesem Themenkomplex zu stärken.
Referent: Freier Mitarbeiter der Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN)
Workshop 4: TOXISCHE MÄNNLICHKEIT IM NETZ – VON DER MANOSPHERE ZUR PRÄVENTION
Von Algorithmen befeuert und durch Influencer monetarisiert: Misogyne Ideologien der „Manosphere" erreichen junge Männer
gezielt. Dieser Workshop zeigt phänomenübergreifende Radikalisierungsmechanismen auf, schärft den Blick für digitale Warnsignale und vermittelt konkrete Handlungsoptionen für die pädagogische Praxis. Mit Einblicken aus dem Instagram-Präventionsprojekt „MaNOsphere" (gefördert durch das Landesprogramm „Hessen - aktiv für Demokratie und gegen Extremismus").
Referentin: Katharina Hahslinger, Projektleiterin des Projekts “MaNOsphere”
Anmeldung bis zum 21. April
Die Teilnahme am Fachtag ist kostenfrei.
Die Anmeldung erfolgt über www.jbw-giessen.de
Der Fachtag wird von den DEXT-Fachstellen Stadt Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Marburg, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Wetteraukreis und Stadt Wetzlar organisiert.
Ausschlussklausel: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen, völkischen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen, völkischen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Jegliche Film-, Ton- und/oder Videoaufnahmen sind nicht erlaubt.
Fachtag 2026 - Jenseits der Schubladen.pdf
Jugend- und Kulturzentrum Jokus Ostanlage 25a, 35390 Gießen